Protestbrief gegen die Ukraine-Berichterstattung im Hessischen Rundfunk

Dr. Hans Christoph Stoodt
Frankfurt am Main
hcstoodt@gmx.de
www.wurfbude.wordpress.com

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit dieser Mail möchte ich in aller Schärfe gegen Ihre
Bericherstattung im Ukraine-Konflikt protestieren – im Allgemeinen,
also darüber, was sie seit Wochen dazu berichtete haben generell, über
das Massaker in Odessa, dem vor wenigen Tagen 41 Menschen zum Opfer
fielen im Besonderen.

Wochenlang haben Sie den Anteil von Faschisten und sogar von Kräften,
die völlig offen und unzweideutig positiv Bezug auf den deutschen
Nazifaschismus nehmen, totgeschwiegen und den sog. „Euromaidan“ als
eine Art friedlicher Demokratiebewegung dargestellt. Über die
politische Natur von Swoboda, der Partnerorganisation der deutschen
NPD, kann kein Zweifel bestehen. Der „Rechte Sektor“ ist noch
aktionsmilitanter. Ich muß davon ausgehen, daß Ihnen das schon seit
Anfang des Jahres wohlbekannt war und ist – die unbezweifelbaren
Informationen dazu sind seit langem öffentlich ud allgemein
zugänglich. Sie verschwiegen das über lange Zeit hinweg.

In den letzten Tagen haben Sie mit eiserner Konsequenz, bis zum
Schluß, die aus Bundeswehr und (außer einem Schweden) anderen aus
NATO-Staaten stammenden Militärbeobachter, die von separatistischen
Kräften der „Volksrepublik Donezk“ festgehalten worden waren, als
„OSZE-Beobachter“ bezeichnet, bisweilen auch als Militärbeobachter auf
der Basis des Wiener Dokuments, welches Ihnen, da es ja öffentlich
bekannt ist, selbstverständlich vertraut war. Daß die festgesetzten
Militärs keine OSZE-Beobachter waren, steht seit den dies
feststellenden Einlassungen des OSZE-Dirkektors fest. Daß sie aber
auch nicht auf dem Boden des Wiener Dokuments in der Ukaine anwesend
waren, ist ebenfalls klar: die Tatsache, daß sie dort in Zivil
auftauchten und die mehr als zwei Personen umfassende Delegation der
Bundeswehr in der „Beobachtergruppe“ widersprechen dem Wiener
Dokumment eindeutig. Das wissen Sie selbstverständlich auch.

Ihre Wortwahl schließt sich nahtlos an die demokratisch nicht
legitimierte Propaganda der ukrainischen Übergangsregierung an, wenn
Sie in Ihren aktuellen Nachrichten ohne Umschweife von
„Anti-Terror-Einsätzen“ der ukrainischen Armee im Osten des Landes
sprechen. Eine von offenen Nazibewunderern mitgetragene „Regierung“
bezeichnet Kräfte, die auf eine viel weniger militante Weise vorgehen,
als die, durch die sie selbst, von NATO und EU massiv gestützt, an die
Macht gekommen ist, als terroristisch!
Das mag in deren Propaganda so klingen können – der Berichterstattung
eines öffentlich-rechtlichen Senders mit demokratischem und kritischem
Berichterstattungsauftrag ist das absolut unwürdig. Das ist einfach
Propaganda des politisch von Ihnen anscheinend Erwünschten.

Soeben berichtet Ihr Sprecher in den Nachrichten um 12:00 von einer
ukrainischen „Nationalgarde“, die in die Krisengebiete im Süden und
Osten des Landes verlegt werde. Sie wissen selbstverständlich ganz
genau, worum es sich bei der „Nationalgarde“ in Wahrheit handelt. Das
ist die gerade eben aus dem Boden gestampfte irreguläre Armee, mit
denen zehntausende (Berichte sprechen von bis zu sechzigtausend)
bewaffnete Aktivisten des „Rechten Sektors“, also einer faschistischen
Miliz, die entgegen den von den Außenministern des „Weimarer
Dreiecks“, darunter Herrn Steinmeier, Mitte Februar ausgehandelten
Vereinbarungen eben nicht entwaffnet, sondern in eine „legale“
Bürgerkriegsarmee umgewandelt worden ist, weil die Kiewer Junta weiß,
daß sie sich auf die reguläre Armee nicht mehr verlassen kann.
Indem Sie von einer ukrainischen „Nationalgarde“ reden, ohne dazu zu
sagen, was das ist, vollziehen sie die „Legalisierung“ einer
faschistischen Bürgerkriegsarmee wissentlich mit.

Einen absoluten Gipfel der Desinformation erreichte Ihre
Berichterstattung aber mit der nun schon mehrere Tage anhaltenden
Behauptung, man wisse nicht genau, wer und warum die Verantwortung für
das faschistische Massaker von Odessa trage, dem nach bisheriger
Rechnung 41 Menschen zum Opfer gefallen sind (seit gestern kursieren
auch noch andere, weit höhere Zahlen). Es ist wirklich empörend, sich
anhören zu müssen, dort sei das Gewerkschaftsgebäude „in Brand
geraten“ und noch immer wisse man nicht genau, wer dafür letztlich die
Verantwortung trage, beide Konfliktparteien wiesen einander die Schuld
zu, die Polizei habe nicht eingegriffen uws. usf.
Sollten Sie wirklich nicht wissen, was dort tatsächlich gescheiehn ist
(was ich mir nicht vorstellen kann), darf ich Ihnen hier zwei Links
bundesdeutscher Medienportale einfügen, die zu dieser Art
desformierender Berichterstattung Zutreffendes zusammengetragen haben:

german-foreign-policy.com/de/fulltext/58857

und

www.freitag.de/autoren/maennlicherlinker/der-medien-gau-von-odessa

Sehr geehrte Damen und Herren,
ich habe völlig andere Vorstellungen von einer künftigen Levitra online freien
Gesellschaft als sehr wahrscheinlich Sie. Dennoch leben wir in dieser
Stadt, Frankfurt am Main, gemeinsam. Wir müssen irgendwie miteinander
auskommen und kommunizieren, so schwierig das auch sein mag.
Ich akzeptiere die Tatsache, daß Sie ganz anders denken und fühlen als
ich, auch wenn ich das weder gut finde noch verstehen kann, aber das
ist ja mein Problem.

Wozu ich aber nicht bereit bin, das ist, zu akzeptieren, daß der auch
mit meinen Steuern finanzierte Sender zunehmend dreister Schwarz Weiß
nennt und umgekehrt. Es müßte an sich auch aus Ihrer, einer
vollständig anderen Perspektive als meiner, evident sein: Sie können
kein Interesse daran haben, daß man Sie und Ihre Berichterstattung
künftig schlicht nicht mehr Ernst nimmt – verdientermaßen, wenn Sie
die Standards selbst bürgerlich-demokratischer Normen in derart
offener Weise unterschreiten und damit einen denkbar schlechten
Beitrag zur gesellschaftlichen Entwicklung hier im Land leisten.

Ich bitte Sie um eine kurze Stellungnahme oder wenigstens um eine
Bestätigung, daß Sie diese Mail zur Kenntnis genommen haben.

Freundliche Grüße,
Hans Christoph Stoodt